Einen ganzen Vormittag durften die Schülerinnen der Klasse 9b das Hildebrandhaus mitten in Bogenhausen erkunden. Dabei erfuhren wir, dass Adolf von Hildebrand im 19. Jahrhundert einer der gefragtesten Bildhauer war, der auch den riesigen Wittelsbacherbrunnen am Lenbachplatz schuf.
Allerdings verbirgt sich hinter der prächtigen Fassade der Villa auch ein trauriges Kapitel deutscher Geschichte, das wir anhand von Originaldokumenten erforschen konnten. Elisabeth Braun, eine zum evangelischen Glauben konvertierte Jüdin, kaufte 1934, ein Jahr nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die Hildebrandvilla. Allein das ist schon eine Besonderheit, wurden doch bereits ab 1933 Juden sukzessive enteignet. Sie wehrte sich bis 1941 vehement und unnachgiebig gegen die Enteignung, bis sie im November 1941 nach Kaunas deportiert und dort ermordet wurde. Wir konnten Elisabeth Braun als eine junge Frau kennenlernen, die sich bis zuletzt mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln mutig gegen das Unrechtsregime der Nationalsozialisten zur Wehr setzte. Dass wir Elisabeth Brauns Briefe unmittelbar vor uns hatten und erkennen konnten, wie ihre Handschrift im Laufe der Jahre und des für sie zermürbenden Aufbegehrens gegen den Raub des Hauses immer fahriger und unleserlicher wurde, öffnete für einen Moment ein Fenster in die Vergangenheit.
Wir danken Felicitas Friedrich, der Kulturvermittlerin der Monacensia, die extra für uns die alten Dokumente aus dem Archiv geholt hat und wir auf diese Weise eine Facette des Lebens von Elisabeth Braun kennenlernen durften.
Ruth Dobias

