„Alle wachsen über sich hinaus. Alle wachsen, wachsen. Doch wer davon blüht auf?“
Unsere Schülerinnen sind in ihrer gymnasialen Zeit gewachsen, an den Aufgaben und Herausforderungen, die an sie gestellt wurden, aber auch als Persönlichkeiten. Die Zeilen aus dem Lied „Wachsen“ von Lina Maly zeigen, dass das Abiturzeugnis nicht das Ende des „Wachsen“ kennzeichnet, denn nun sollte das eigentliche „Aufblühen“ beginnen, ein persönlicher Reifungsprozess, der weit über den schulischen Erfolg hinaus geht.
Doch zunächst kamen auf der Entlassungsfeier des ESG die Abiturientinnen zu Wort: Einen ebenso humorvollen wie persönlichen Einstieg gestalteten Julia und Pauline mit ihrem Rückblick auf die gemeinsame Schulzeit. Mit viel Witz erinnerten sie an besondere Erlebnisse aus dem Unterricht, charakteristische Aussprüche verschiedener Lehrkräfte und zahlreiche Momente, die den Jahrgang geprägt haben. Hinter den Geschichten wurde deutlich, wie viele Erfahrungen, Freundschaften und gemeinsame Erinnerungen in den vergangenen Jahren gewachsen sind und den Zusammenhalt des Jahrgangs gestärkt haben.
In der folgenden Rede griff Herr Frölich das Motto „Wachsen“ auf und entwickelte es anhand des Bildes eines Olivenbaums weiter. Anders als viele andere Bäume wächst ein Olivenbaum nur langsam. Seine Entwicklung ist oft kaum sichtbar, doch gerade dadurch entstehen kräftige Wurzeln und ein widerstandsfähiger Stamm. Dieses Bild übertrug er auf die Schulzeit der Absolventinnen. Die vergangenen Jahre seien geprägt gewesen von einem Wachstum, das sich nicht allein in Noten oder Zeugnissen messen lasse. Vielmehr seien Wissen, Persönlichkeit, Selbstvertrauen und Verantwortungsbewusstsein gewachsen. Das neunjährige Gymnasium habe den Schülerinnen den notwendigen Raum gegeben, sich zu entwickeln, Interessen zu entdecken und zu reifen.
Gleichzeitig machte die Rede deutlich, dass Wachstum nicht geradlinig verläuft. Wie die Rinde eines alten Olivenbaums Spuren der Zeit trägt, hinterlassen auch Schuljahre ihre Spuren: Erfolge und Enttäuschungen, Konflikte, Unsicherheiten und Herausforderungen gehören ebenso dazu wie schöne Erinnerungen. Gerade diese Erfahrungen tragen jedoch dazu bei, dass Menschen an ihnen wachsen. Der Schulleiter betonte, wie wichtig dabei starke Wurzeln seien – Vertrauen, Werte und Menschen, die Halt geben. Schule sei deshalb weit mehr als ein Ort der Wissensvermittlung. Sie solle jungen Menschen ermöglichen, Wurzeln zu schlagen und gleichzeitig den Mut entwickeln, neue Wege zu gehen.
Mit Blick auf die Zukunft erinnerte er daran, dass die Abiturzeugnisse zwar einen wichtigen Meilenstein markieren, den Wert eines Menschen jedoch niemals bestimmen können. Viel entscheidender seien Eigenschaften wie Gerechtigkeitssinn, Mitgefühl, Verantwortungsbereitschaft und die Fähigkeit, Frieden zu stiften. Als sichtbares Symbol dieses Gedankens erhielten alle Abiturientinnen ein Herz aus Olivenholz – gefertigt aus den Ästen von Olivenbäumen aus dem Heiligen Land. Es soll an die gemeinsame Schulzeit erinnern und zugleich Hoffnung, Frieden und die eigenen Wurzeln symbolisieren.
Im Anschluss richtete Herr Auer vom Elternbeirat den Blick auf das Thema aus der Perspektive der Eltern. Er bedankte sich für die freundliche und wachstumsfördernde Atmosphäre, die die Schule geboten hat, das ESG sei ein Glücksgriff für die Schülerinnen. Dazu habe auch die kontinuierliche Weiterentwicklung beigetragen mit den Meilensteinen „Mädchenschule+“ und die Offenheit für Innovationen.
Musikalisch wurde die Feier vom Orchester und der Band der Schule eindrucksvoll umrahmt. Mit ihren Beiträgen verliehen sie dem Festakt eine feierliche Atmosphäre. Einen herzlichen Dank an Vera Wagener für die musikalische Gestaltung.
So wurde die Abiturfeier zu mehr als einer Zeugnisverleihung. Sie lud dazu ein, auf die vergangenen Jahre zurückzublicken und sich bewusst zu machen, wie vielfältig Wachstum sein kann: im Lernen, in Begegnungen, in Herausforderungen und im Miteinander. Mit starken Wurzeln und vielen gesammelten Erfahrungen beginnt für die Abiturientinnen nun ein neuer Lebensabschnitt, in dem ihr persönliches Wachstum weitergehen wird.
„Alle fragen, was will ich werden, niemand fragt mich wer ich bin, alle haben ein Ziel vor Augen…, alle wachsen über sich hinaus, alle wachsen, wachsen, doch wer davon blüht auf?...“





